Langewiesche-Brandt Ebenhausen bei München

Malaiische Liebeslieder. Deutsche Originalausgabe mit Golls französischen Fassungen. textura. 144 Seiten. Englisch broschiert. 15 Euro. ISBN 978-3-7846-0502-9.

Diese Gedichte hat Ivan Goll (1891-1950) in den Jahren 1932 bis 1934 für Paula Ludwig (1900-1974) geschrieben. Er hat sie selbst ins Französische übertragen und 1934 in Paris herausgebracht: Chansons Malaises; Chansons de Manyana, Jeune Fille Malaise. Man hat diese Gedichte weltweit für echte malaiische Volksliteratur gehalten, so (scheinbar) einfach sind sie.

Das deutsche Originalmanuskript nahm Paula Ludwig mit nach Paris, als sie 1938 aus dem annektierten Österreich dorthin ging. Dorthin zu ihm. 1940 flüchtete sie nach Spanien, Portugal, Brasilien, unter Zurücklassung ihrer Habe, worin sich das Manuskript befand. Das Ehepaar Ivan & Claire Goll war kurz zuvor nach den USA emigriert. Lang nach dem Kriegsende, 1966, entdeckten die einstigen pariser Gastfreunde beim Aufräumen das Manuskript. In äußerst komplizierten Verhandlungen mit der seit 1950 verwitweten Claire gelang es, die deutsche (genau: deutsch-französische) Ausgabe zustandezubringen.

Zum Äußeren der «Malaiischen Liebeslieder»

Die Reihe textura ist eigentlich rein typografisch gestaltet. Aber wenn ein Buch Illustrationen hatte, sollte man das außen erkennen, d.h. dann gehört ein Bildmotiv auf den Umschlag!

Ein einziges Mal sind wir von dieser Regel abgewichen: bei den «Malaiischen Liebesliedern» von Goll. Das Buch hat keine Illustrationen. Aber es gab einstmals eine japanische Ausgabe des wunderbaren Zyklus, die hatte welche: Vier Aktzeichnungen von dem mit Goll befreundeten Henri Matisse. Das meinten wir uns nicht entgehen lassen zu dürfen. Wir wählten die schönste aus, zahlten (via VG BildKunst) Honorar und setzten sie auf den Umschlag der nächsten Auflage.

Das sah und sieht schön aus, aber...

Eine befreundete Buchhändlerin, die die «Malaiischen Liebeslieder» jahrelang mit großem persönlichen Engagement gut verkauft hat, mochte das Buch nun nicht mehr. Sie fand ein noch so schönes, noch so unschuldiges (oder, sagen wir, treuherziges) nacktes Mädchen auf einem Buchumschlag ungehörig.

Da hatte sie irgendwie recht. Wir bastelten für ihren speziellen Bedarf jeweils einen kleinen Stapel Bücher, indem wir die Mädchen-Umschläge abnahmen und Text-Umschläge der vorherigen Auflage (von denen wir etliche übrig hatten) umlegten.

Inzwischen war das System der Internationalen Standard Buch Nummern verändert worden. Eine ISBN hat heute 13 Stellen statt der früheren 10. Keineswegs braucht man deswegen die Bücher, auf denen die alte ISBN steht, umzurüsten, sondern man richtet das bei Neuauflagen. In unserem Fall bot es sich an, die vorhandenen Schrift-Umschläge mit der neuen ISBN zu versehen (durch Überkleben der alten Nummer mit der neuen auf dem exakt gleichen Papier).

Das haben wir getan. Wir haben aber nunmehr die Mädchen-Umschläge nicht abgenommen, sondern drangelassen, und haben die Bücher mit den zurechtgemachten alten Schrift-Umschlägen umgeben.

So erklären sich die verschiedenen Abbildungen zu Beginn dieser Seite.

Jetzt haben wir ein bisschen viel über das Äußere des Buches geredet. Sein Wert, sein Charme ist das Innere. Es ist ein einfaches und zugleich kunstvolles Verwandlungs- oder Verkleidungs-Spiel der Liebe. Erstens: Der Dichter ist ein Mann - aber die Gedichte werden von einem Mädchen, einer jungen Frau gesprochen. Der geliebte Häuptling oder Held ist «Palu», das heißt: Paula Ludwig. Man mag an den Prinzen Yussuf denken, als den der junge Franz Marc seine angebetete Else Lasker-Schüler tituliert hat. Zweitens: Die Szenerie ist der Ferne Osten. Verkleidungen und Entrückungen gab es in der Poesie schon immer. In der späten Antike und dann im 16., 17. und noch 18. Jahrhundert war eine erdachte oder ausgemalte arkadische Landschaft ein beliebter Rahmen für das Liebesgeschehen, und Schäfer und Schäferinnen waren das handelnde resp. spielende Personal. Goethe baut um seinen «West-östlichen Divan» herum eine persisch-arabische Garten-Architektur, sozusagen. Man könnte unentwegt weiter aufzählen.

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Rev. 03.03.2009