Langewiesche-Brandt Ebenhausen bei München

Dieses Buch (buchhändlerisch gesagt: dieser Titel) befindet sich seit 1. Juli 2010 im Programm des Verlages C.H. Beck. Die alte ISBN war 978-3-7846-0142-7, die neue ISBN ist 978-3-406-60757-8. Der Ladenpreis seit 1. Juli 2010 ist 38,- Euro.

Georg von der Vring: 536 Seiten. Ganzleinen.

Zu Georg von der Vring stehen einige Notizen auf seiner persönlichen Seite.

Hier folgen zwei Absätze (die letzten) aus dem Nachwort, das Christoph Meckel zur Gesamtausgabe geschrieben hat, eine Art Einordnung.

Ein großes Werk hat große Schwächen und zeigt sie - ästhetische, ideologische, menschliche. Krasser als mittelbedeutende Werke, deren Stärken und Schwächen nicht so wichtig sind, exponiert es Fragwürdigkeiten und Grenzen des Autors. Das Verfehlte und Fehlende ist Bedingung des Werkes und gehört zu ihm wie Fertigkeit oder Glanz. Wer das unsachlich kritisiert oder falsch verwertet, wer Unvermögen gegen Vermögen ausspielt, verfehlt den homo faber und die ganze Kunst. Wer sich mit dem Werk Bertolt Brechts beschäftigt (Von der Vring ist ein Antipode Brechts), stößt auf Fragwürdigkeiten, die ihn befremden, vielleicht auf Schwächen, die ihm widerstehn. Die Attitüde des Klassikers bei Lebzeiten, die ideologische Begradigung, die Vorsätzlichkeit in Haltung und Intonation, penetrante Didaktik noch in Gefühl und Witz, Verödung von Poesie in Parolen und Formeln und die Hybris eines Charakters, der maßgeblich sein will als Lehrender und Lernender zugleich. Wer diese Konditionen zur Kenntnis nimmt, als Voraussetzung oder Bedingung einschätzen kann, als das zwangsläufig Unzulängliche einer Gestalt, das vom Unerhörten nicht zu trennen ist, wer da kritisch durchkommt und also sachlich verfährt, erreicht eine Sprache, die ihm nichts schuldig bleibt, und haltbarer ist als Charakter und Ideologie.
Wer die Lyrik des Von der Vring zur Kenntnis nimmt, ihre Höhenverhältnisse ahnt, ihre Breite entdeckt, und im Spalier ihrer Reime spazierengeht, verfängt sich in hergebrachten Besinnlichkeiten, in«Sächelchen» (ein Wort von Oskar Loerke), in häuslich poetischen Vorgärten, Primeln und Tulpen (die von vor zweihundert Jahren herüberduften), in Gewisper von Treuherzigkeiten und frommer Empfindung, die auch zugewandte Kritik für historisch hält. Stille Einfalt in angenehmer Manier. Das scheint aus Beschränkungen eines Träumers zu kommen, der für Ideologie und Streit unerreichbar war, Psychologie und Technik für Teufelszeug hielt, und Epoche und Fortschritt von Grund auf verdammte, auf eigenen Wunsch «aus der Welt verwiesen», ein Mensch allein. Wer genug davon hat, lässt den Poeten fallen, überschlägt ein paar Seiten (...) und liest bei Sarah Krisch oder Huchel weiter. Wer ihn einmal entdeckte und weiter für möglich hält, gerät in Verse, die vollkommen sind, sieben vollkommene - und wieviele mehr! Raffinierte ohne Vorsatz der Raffinesse, alles hinter sich lassend, was Absicht sein kann, von Literaturkritik nicht mehr erreicht. Paradiesische Melancholie, die sich selbst vergaß, wie die Sonate von Schubert (mit dem er verwandt ist). Ein Klangzauber ohnegleichen, ein Wortlaut allein, entwaffnend, wehrlos. Poesie, die keine Fortsetzung haben kann.

Die Anordnung der Gedichte ist für eine derartige Edition ungebräuchlich, aber nach der speziellen Situation bei Georg von der Vring einzig vernünftig: Es werden chronologisch alle seine Gedichtbände dokumentiert, aber in der Weise, dass von den Gedichten, die der Autor in eine oder mehrere spätere Auswahl-Ausgaben übernommen hat, nur die Titel und die Seiten-Verweisungen dastehen. Im Wortlaut gebracht werden vorn nur die Gedichte, die der Dichter später nicht mehr des Weitergebens für würdig erachtet hat. Die richtige, sozusagen klassische Fülle der Poesie des Dichters zeigt sich erst etwa ab der Hälfte des Buches. Hier stehen dann zwischen den jeweils neuen Gedichten auch diejenigen frühen, die «von Anfang an klassisch» waren.

Eine Auswahl aus der Gesamtausgabe - etwa ein Sechstel - steht in dem textura-Buch Hundertzehn Gedichte.

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Rev. 29.06.2010